Ein Geschäft, das den Bürgern gehört 20.01.15

Bericht im Trierischen Volksfreund vom 20.01.2015

(Mandern) Was mit einem privaten Betreiber nicht funktionierte, sollen jetzt die Bürger von Mandern ermöglichen. Der dort entstehende Dorfladen, bei dessen Bau kürzlich eine große Kostensteigerung bekannt wurde, soll durch eine Genossenschaft betrieben werden. Diese soll das Gefühl vermitteln: "Ich gehe in mein Geschäft einkaufen."

 Mandern. "In acht Wochen wird der Bau fertig sein. Dann kann ein Dorfladen einziehen", sagt der Manderner Ortsbürgermeister Tim Kohley (CDU) über ein lange verwaistes Haus in der Schulstraße. Die frühere Bäckerei Blees wird zurzeit renoviert, produzierte zuletzt aber negative Schlagzeilen. Denn Ende 2014 stellte sich heraus, dass die Umbauarbeiten in dem Gebäude, in dem neben dem Dorfladen auch der Gemeinde-Bauhof seinen Platz finden soll, deutlich teurer wird als gedacht (der TV berichtete am 28. November). 800 000 Euro statt ursprünglich geschätzte 550 000 Euro wird die Investition wohl kosten.

 

Bisher kein Betreiber in Sicht

Hinzu kommt: Bislang hat die Gemeinde weder einen Betreiber noch die Rechtsform gefunden, die den Laden tragen soll. "Wir haben mit 15 Bewerbern gesprochen, die entweder nicht geeignet waren oder wieder abgesprungen sind", bedauert der Ortschef, der seit Sommer 2014 im Amt ist.Rettung verspricht sich Mandern zumindest in punkto Betrieb des Dorfladens durch die Gründung einer Genossenschaft. Die Volksbank Hochwald-Saarburg und der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband (RWGV) wollen dabei helfen. "Genossen" sollen möglichst viele Manderner werden. Natürliche oder juristische Personen (Firmen, Vereine, Institutionen) können dafür Anteile zeichnen. Kohley sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: "Die Anteilsbeträge sind noch nicht festgelegt. Es sollten aber so um die 15 000 Euro als Startkapital zusammenkommen." Dass rund 100 Manderner mitmachen, wünscht sich der Ortschef.

Werner Dellwing, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Hochwald-Saarburg, betont mit Blick auf die geplante Gründung einer Genossenschaft: "Das muss von unten wachsen."Nur so empfinden die Leute das Geschäft als ihren Laden."

"In einer ersten Mitgliederversammlung wird ein zweiköpfiger Vorstand und ein Aufsichtsrat mit drei Mitgliedern gewählt. Beide Gremien arbeiten ehrenamtlich", erklärt Stefan Touchard vom RWGV. Er weist als Gründungsberater von Dorfläden Erfahrung auf.

"Hier kann ein Dorf zur historischen Versorgungssituation zurückkehren", erklärt Volksbank-Vorstand Günter Weber die Chance für Mandern.Wenn später die Hälfte der rund 900 Manderner Bürger "jeden Tag für etwa drei bis vier Euro einkauft, funktioniert das", ist Touchard überzeugt. Sieben solcher von ihm begleiteten Projekte laufen mit Umsätzen zwischen 270 000 und 500 000 Euro Umsatz pro Jahr. Irgendwo dazwischen sollte auch das Ergebnis im Hochwaldort liegen.

Ein Beispiel ist der Dorfladen im Eifelort Sistig (Kreis Euskirchen), der sich über bis zu 130 Kunden am Tag freut. "Die Genossenschaft kann Leute beschäftigen", fährt der Fachmann fort. Der Mindestlohn von 8,50 Euro werde gezahlt. Grundlage für ein Gründungsgutachten ist ein Wirtschaftsplan, bevor die Genossenschaft bei einem Gericht eingetragen werden kann.

"Niemand sollte direkt auf eine Rendite für seine Einlagen spekulieren, denn die Rendite ist zunächst der Laden selbst", macht Dellwing klar.Bis es losgeht, wird das Thema erneut im Gemeinderat behandelt. Nach Fastnacht soll es eine Bürgerversammlung geben, in der alles wieder ausführlich erklärt wird. "Mit potenziellen Lieferanten haben wir bereits gesprochen", sagt Kohley. In Mandern sollen auch regionale Produkte eine Chance bekommen.